Mindestlohn Schweiz 2026: Kantonstabelle und GAV-Minima
Genf hat mit CHF 24.32 pro Stunde den höchsten Mindestlohn der Welt. Basel-Stadt und Neuenburg haben ebenfalls kantonale Mindestlöhne. Zürich, Bern und die meisten Deutschschweizer Kantone haben keinen kantonalen Mindestlohn: hier gilt ausschliesslich der GAV Ihrer Branche. Hier ist die vollständige Tabelle für 2026, nach Kanton und Branche.
- Genf: CHF 24.32/Stunde = CHF 4'218/Monat bei 40h/Woche (höchster der Welt)
- Basel-Stadt: CHF 21.00/Stunde = CHF 3'640/Monat
- Neuenburg: CHF 21.09/Stunde = CHF 3'656/Monat
- Waadt: CHF 21.09/Stunde (ab 2024, selber Satz wie Neuenburg)
- Tessin: CHF 19.50/Stunde = CHF 3'380/Monat
- Zürich, Bern, Aargau, St. Gallen: kein kantonaler Mindestlohn, nur GAV
Vollständige Kantonstabelle: Mindestlohn 2026
| Kanton | Mindestlohn/Stunde | Monatslohn (40h/Woche) | Gilt seit |
|---|---|---|---|
| Genf (GE) | CHF 24.32 | CHF 4'218 | 2020, jährlich indexiert |
| Basel-Stadt (BS) | CHF 21.00 | CHF 3'640 | 2022 |
| Neuenburg (NE) | CHF 21.09 | CHF 3'656 | 2017, indexiert |
| Waadt (VD) | CHF 21.09 | CHF 3'656 | 2024 |
| Jura (JU) | CHF 20.60 | CHF 3'570 | 2021 |
| Tessin (TI) | CHF 19.50 | CHF 3'380 | 2021 |
| Zürich (ZH) | kein kantonaler | nur GAV-Minima | |
| Bern (BE) | kein kantonaler | nur GAV-Minima | |
| Basel-Landschaft (BL) | kein kantonaler | nur GAV-Minima | |
| Aargau (AG) | kein kantonaler | nur GAV-Minima | |
| St. Gallen (SG) | kein kantonaler | nur GAV-Minima | |
| Zug (ZG) | kein kantonaler | nur GAV-Minima | |
| Luzern (LU) | kein kantonaler | nur GAV-Minima |
GAV-Mindestlöhne nach Branche 2026
Für Kantone ohne kantonalen Mindestlohn gelten die allgemeinverbindlichen GAV (AVE). Diese schützen alle Arbeitnehmenden der Branche, unabhängig von der Gewerkschaftsmitgliedschaft.
| Branche | Mindestlohn/Monat (unqualifiziert) | Qualifiziert / Chef de rang | Gilt für Kanton |
|---|---|---|---|
| Bauhauptgewerbe (LMV) | CHF 5'500 | CHF 5'800-6'500 | Alle Kantone (AVE) |
| Gastgewerbe (L-GAV) | CHF 3'900 | CHF 4'200-4'800 | Alle Kantone (AVE) |
| Reinigungsbranche | CHF 3'880 | CHF 4'100-4'400 | Alle Kantone (AVE) |
| Detailhandel (Migros, Coop) | CHF 3'700 | CHF 4'000-4'600 | Firmen-GAV |
| Sicherheits-/Wachdienst | CHF 4'200 | CHF 4'500-5'000 | Alle Kantone (AVE) |
| Coiffure | CHF 3'500 | CHF 3'800-4'200 | Alle Kantone (AVE) |
| Gebäudehülle/Fassade | CHF 5'400 | CHF 5'800-6'000 | Alle Kantone (AVE) |
| IT/Pharma/Banken | kein AVE-Mindestlohn | Markt bestimmt | Marktpreise CH |
Wichtig: Diese Mindestsätze sind Bruttobeträge. Die Sozialversicherungsabzüge (AHV, ALV, BVG) reduzieren den Nettolohn um weitere 12-16%. Ein Gastronom mit CHF 3'900 Mindestbrutto erhält netto rund CHF 3'250-3'400 ausbezahlt, zuzüglich Quellensteuer falls kein Permit C oder Schweizer Bürger.
Löhne ohne GAV und Lohnschutzrecht
Wer in einer Branche ohne GAV und in einem Kanton ohne Mindestlohn arbeitet, ist auf die Vertragsfreiheit angewiesen. Das Schweizer Arbeitsrecht kennt jedoch den Begriff des missbräuchlich tiefen Lohns, auch ohne Mindestlohn gilt das Gebot der Lohngleichheit und der Verbot sittenwidriger Verträge (OR Art. 20). In der Praxis werden solche Fälle selten vor Gericht gebracht, da der Schweizer Arbeitsmarkt strukturell zu hoch bezahlt, um echte Niedriglohnarbeit entstehen zu lassen.
Für EU/EFTA-Arbeitnehmer, die von einem ausländischen Arbeitgeber in die Schweiz entsandt werden (Entsendung), gilt die Entsendeverordnung (EntsG): Entsandte müssen mindestens den in der Schweiz geltenden Lohn (GAV oder Ortsüblichkeit) erhalten, die Schweizer Löhne können nicht durch ausländische Tarife umgangen werden.
Genf hat mit CHF 24.32 pro Stunde den hoechsten gesetzlichen Mindestlohn der Welt, das entspricht CHF 4'218 brutto pro Monat bei einer 40-Stunden-Woche, mehr als viele Löhne in deutschen Grossstaedten.
Wer als Grenzgänger in der Schweiz arbeitet, hat Anspruch auf den in der Schweiz geltenden GAV-Mindestlohn oder kantonalen Mindestlohn, unabhängig davon, wo der Arbeitgeber seinen Sitz hat. Das Entsendegesetz (EntsG) verhindert, dass ausländische Tarife angewendet werden. Ein Arbeitgeber aus Deutschland oder Frankreich muss in der Schweiz Schweizer Loehne zahlen.
Häufig gestellte Fragen
Gibt es in der Schweiz einen nationalen Mindestlohn?
Nein, eine nationale Initiative für einen Mindestlohn von CHF 22/Stunde wurde 2014 mit 76% Nein abgelehnt. Stattdessen regulieren branchenspezifische GAV und kantonale Regelungen (Genf, Neuenburg, Tessin, Basel-Stadt) die Mindestlöhne. Die Schweiz betrachtet das Sozialpartnerschaftsmodell als effektiveres Instrument als staatliche Eingriffe.
Wie hoch ist der Mindestlohn in Zürich?
Kanton Zürich hat keinen kantonalen Mindestlohn. Es gelten ausschliesslich die allgemeinverbindlichen GAV der jeweiligen Branche. Im Baugewerbe beträgt der Mindeststundenlohn rund CHF 31/Stunde; im Gastgewerbe rund CHF 22/Stunde. Branchenübergreifend liegt der effektive Durchschnittslohn in Zürich deutlich über jedem diskutierten Mindestlohnniveau.
Was passiert wenn ein Arbeitgeber unter dem GAV-Mindestlohn zahlt?
Bei allgemeinverbindlichen GAV kann die kantonale Arbeitsbehörde (in Zürich: AWA, Amt für Wirtschaft und Arbeit) Kontrollen durchführen und Nachzahlungen erzwingen. Arbeitnehmer können ausserdem direkt klagen und die Lohndifferenz gerichtlich eintreiben. Die paritätischen Kommissionen der GAV überwachen die Einhaltung und führen regelmässig Betriebskontrollen durch.
Gilt für Grenzgänger auch der Schweizer Mindestlohn?
Ja, wer in der Schweiz arbeitet (auch als Grenzgänger), hat Anspruch auf die in der Schweiz geltenden Mindestlöhne und GAV-Bedingungen. Das Entsendegesetz (EntsG) stellt sicher, dass ausländische Arbeitgeber, die Mitarbeiter in die Schweiz entsenden, die schweizerischen Lohnbedingungen einhalten müssen. Ein Grenzgänger kann nicht mit einem tieferen deutschen Tarif nach Schweizer Recht bezahlt werden.
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