Aktualisiert: April 2026

Das Schweizer Sozialversicherungs-System ist primär für Angestellte konzipiert: Arbeitgeber und Angestellter teilen Beiträge paritätisch. Für den Selbstständigen ist die Logik unterschiedlich. Er zahlt allein, hat aber auch mehr Spielraum bei bestimmten Deckungen.

Obligatorische Beiträge für einen Selbstständigen in der Schweiz
  • AHV/IV/EO: zwischen 5,196% und 9,65% des Nettoeinkommens je nach Betrag (Selbstständigen-Beitrag).
  • Familienzulagen: kantonale Abgabe variabel (ca. 1,5 bis 2 % je nach Kanton).
  • BVG (2. Säule): freiwillig für Selbstständige, aber möglich über eine Kollektivinstitution.
  • Unfallversicherung (UVG): freiwillig für den Selbstständigen selbst, obligatorisch für seine Angestellten.
  • Arbeitslosenversicherung (ALV): Selbstständige zahlen nicht bei und haben keinen Anspruch bei Tätigkeitsstop.

Berechnung von AHV-Beiträgen: die degressive Staffel

Das Schweizer System wendet auf Selbstständigen-Einkommen eine degressive Staffel an: Je höher das Einkommen, desto tiefer der Satz. Diese Besonderheit ist oft unbekannt und kann zu fehlerhaften Schätzungen bei der Planung von Sozialabgaben führen.

Die Indikativ-Sätze für 2026:

Jahres-NettoeinkommenAHV/IV/EO SatzJahrbeitrag indikativ
Bis 9 400 CHF5,196%~490 CHF
20 000 CHF~6,4%~1 280 CHF
40 000 CHF~7,8%~3 120 CHF
60 000 CHF~8,7%~5 220 CHF
100 000 CHF und höher9,65%~9 650 CHF

Das massgebliche Einkommen für AHV-Berechnung ist der Nettogewinn des Unternehmens, wie aus der Steuererklärung hervorgeht, abzüglich der Sozialversicherungsbeiträge selbst. Diese zirkuläre Berechnung wird durch die Ausgleichskasse mit einer standardisierten Formel gelöst. In der Praxis setzt die Kasse vierteljährliche Vorauszahlungen basierend auf dem Vorjahreseinkommen fest, dann erfolgt eine Regulierung nach endgültiger Steuererklärung.

BVG und 3. Säule: Vorsorge die der Selbstständige selbst aufbauen muss

Die Abwesenheit von BVG-Obligation ist einer der Hauptunterschiede zwischen Angestellten und Selbstständigen-Status. Ein Angestellter sieht seine 2. Säule automatisch durch Arbeitgeber- und Selbstbeiträge aufgebaut. Der Selbstständige muss dafür selbst sorgen.

Zwei Optionen stehen ihm zur Verfügung. Die erste ist Anschluss an eine Kollektivvorsorge-Institution für Selbstständige, oft verbunden mit einem Berufsverband (USP, Fiduziärs-Verband, etc.). Die zweite ist erweiterte Nutzung der 3. Säule: Ein Selbstständiger ohne BVG kann bis zu 20 % seines Nettoeinkommens aus selbstständiger Tätigkeit in die Säule 3a einzahlen, mit Obergrenze 35 280 CHF 2026. Dieser Betrag ist vom steuerpflichtigen Einkommen abzugsfähig, was ihn als mächtiger Steuer-Hebel für mittlere bis höhere Einkommen macht.

Nur AHV (1. Säule) zur Penionierung ist illusorisch: Die maximale AHV-Rente 2026 ist 2 450 CHF monatlich. Für einen Selbstständigen mit regelmässigem 80 000 CHF Jahreseinkommen, ohne BVG bedeutet Pension einen brutalen Einkommens-Fall.

Arbeitslosenversicherung und Erwerbsfähigkeitsverlust: nicht abgedeckte Risiken

Der Selbstständige zahlt nicht zur Arbeitslosenversicherung und hat keinen Anspruch. Bei Tätigkeitsstop aus wirtschaftlichen Gründen wird keine Entschädigung gezahlt. Der einzige Weg ist Rückgang zu Angestellten-Status, unter vorherigen Kotisations-Bedingungen.

Die Erwerbsfähigkeitsverlust-Versicherung (EO Mutterschaft/Vaterschaft) deckt aber Selbstständige ab, die mindestens fünf Monate vor dem Ereignis zur AHV kotisiert haben. Die Entschädigung ist 80 % des der AHV unterstellten Durchschnittseinkommens, max. 220 CHF pro Tag.

Das meistunterschätzte Risiko von neuen Selbstständigen ist Krankheits-Ausfall. Ohne private Erwerbsfähigkeitsverlust-Versicherung ist jeder Tag Arbeitsunfähigkeit ein direkter Einkommensverlust. Unabhängige Erwerbsfähigkeitsverlust-Policen sehen eine Wartefrist vor (30, 60 oder 90 Tage), die das Prämienlevel bestimmt: Je länger die Wartefrist, desto tiefer die Prämie, aber desto grösser die Geldreserve zu bilden.

Der Selbstständigen-Status in der Schweiz ist fiskalisch und sozial günstig für hohe Einkommen, stärker exponiert für bescheidenere Einkommen. Disziplin beim Beiseitelegen von Sozialabgaben ab den ersten Mandaten verhindert Überraschungen bei jährlichen Regulierungen.


Häufig gestellte Fragen

Wann und wie zahlt man AHV-Beiträge als Selbstständiger?

Die Ausgleichskasse setzt vierteljährliche Vorauszahlungen fest (normalerweise März, Juni, September, Dezember) basierend auf geschätzten Einkommen. Eine Regulierung erfolgt jährlich nach Steuererklärung-Abgabe. Bei wesentlichem Einkommens-Wechsel ist Antrag auf Vorauszahlungs-Revision im Jahresverlauf möglich um zu hohe Regulierungslast zu vermeiden.

Kann ein Selbstständiger Familienzulagen in der Schweiz erhalten?

Ja, Selbstständige haben Recht auf Familienzulagen (Kinderbeihilfe, Ausbildungsbeihilfe) unter Bedingung von Kotisation zur kantonalen Ausgleichskasse für Selbstständige. Die Beträge variieren nach Kanton, Basis-Zulagen sind 215 bis 300 CHF monatlich je nach Kanton für ein Kind bis 16 Jahre.

Kann man sich als Selbstständiger zur Arbeitslosenversicherung anmelden in der Schweiz?

Nein, Selbstständige können sich nicht zur obligatorischen Arbeitslosenversicherung anmelden. Bei Rückkehr zu Angestellten-Tätigkeit nach Selbstständigen-Phase öffnen sich ALV-Rechte nur wenn Person als Angestellte mindestens 12 Monate über die letzten zwei Jahre kotisiert hat. Die Selbstständigen-Phase wird nicht für ALV-Rechte angerechnet.

Welcher Unterschied AHV-Beitrag für Angestellte vs. Selbstständige?

Für Angestellte ist AHV/IV/EO-Gesamtsatz 10,6% des Bruttolohns, halbiert zwischen Arbeitgeber (5,3%) und Angestelltem (5,3%). Für Selbstständige variiert der Satz zwischen 5,196% und 9,65% je nach Einkommen, aber er trägt den ganzen Betrag. Bei 80 000 CHF Einkommen zahlt der Selbstständige ca. 7 700 CHF AHV-Beitrag, vs. 4 240 CHF für äquivalenten Angestellten (die Hälfte vom Arbeitgeber).

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